Wie ist Ihre Digitalstrategie für nichtfinanzielle Berichtspflichten?

Digital Strategy for Statutory Nonfinancial Reporting
9 September 2019

Die Offenlegung nichtfinanzieller Informationen spielt eine entscheidende Rolle beim Wandel zu einer nachhaltigeren globalen Wirtschaft.

Heute ist die nichtfinanzielle Berichterstattung – andere Begriffe sind „außerfinanzielle“, „vorfinanzielle“ oder „ESG“-Berichterstattung (kurz für „Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) – nicht mehr nur eine sympathische Geste für mehr Transparenz. Dank der EU-Richtlinie 2014/95/EU ist diese längst verbindlich vorgeschrieben.

Große Unternehmen von öffentlichem Interesse mit über 500 Mitarbeitern verpflichtet diese Richtlinie dazu, den in ihrem Land zuständigen Behörden nichtfinanzielle Informationen offenzulegen. Damit haben sich die Berichtspflichten EU-weit für rund 6.000 Unternehmen und Gruppen erhöht.

Verschärft wird die Komplexität durch die Tatsache, dass die Mitglieder der G20-Gruppe seit der jüngsten Finanzkrise über 50.000 rechtssetzende Dokumente mit neuen Regeln für Unternehmen von öffentlichem Interesse veröffentlicht haben. Diese Vorschriften in vollem Umfang und in ihrer ganzen Vielfalt zu verstehen und richtig auszulegen, mit dem Regulierungstempo Schritt zu halten und dieses Wissen kumulativ und systematisch zu erfassen, ist zu einer gewaltigen Herausforderung für Compliance-Verantwortliche geworden.

Angesichts der kostspieligen Risiken einer Nichteinhaltung wichtiger gesetzlicher Bestimmungen ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um über die Strategie Ihres Unternehmens für den Umgang mit Compliance-Daten nachzudenken.

Zwei zentrale Herausforderungen für Pflichtberichtsprozesse

1. Die Vielzahl an Regulierungsbehörden und Mechanismen für die freiwillige Berichterstattung

Regulatorische Divergenz – der von Land zu Land uneinheitliche Rechtsrahmen – erschwert die Pflichtberichterstattung.

Einem aktuellen Bericht des internationalen Wirtschaftsprüferverbands IFAC zufolge führen widersprüchliche Auslegungen und Praktiken seitens der Aufsichtsbehörden, grundverschiedene Regulierungsrahmen und unterschiedliche Aufsichtsrechts- oder Datendefinitionen zu einer deutlichen Erhöhung der Compliance-Risiken und stellen für die mit der Pflichtberichterstattung großer Unternehmen befassten Teams die größte Herausforderung dar.

Ein typischer Prozess für die Erstellung von Pflichtberichten erfordert zunächst die zeitraubende Zusammenstellung strukturierter und unstrukturierter Daten aus heterogenen Quellen. Anschließend müssen diese Daten in verschiedenen Formaten manuell bearbeitet werden, um überhaupt für ein breites Spektrum interner und externer Berichte verwertbar zu sein. So muss ein durchschnittliches Unternehmen, das den EU-Vorschriften unterliegt, in einem einzigen Land allein finanzielle und nichtfinanzielle Daten bei rund vierzehn verschiedenen Plattformen einreichen.

2. ‚Multiple Wahrheiten‘, die im Rahmen der Pflichtberichterstattung von den verschiedenen Unternehmensbereichen präsentiert werden

Die Datenarchitektur einer regulierten Organisation bestimmt darüber, wie Daten erfasst, gespeichert, bearbeitet, verteilt und verwendet werden. Heute birgt die Herangehensweise an die Wahrnehmung von Berichtspflichten in vielen Unternehmen bedeutende Risiken. Verschiedene Teams wie etwa die Nachhaltigkeits- und Rechtsabteilungen, das Personalwesen und weitere Gruppen, die an der Erstellung von Pflichtberichten mitwirken, arbeiten oft voneinander abgekapselt und folgen ihren eigenen Ansätzen und Methoden (die sich überdies kontinuierlich weiterentwickeln), um den zunehmend komplexen Gesetzen, Vorschriften und Markterwartungen gerecht zu werden.

Die über das Unternehmen und seine Lieferketten verteilten Informationen haben einen messbaren materiellen Wert für den Prozess der Erstellung von Pflichtberichten und sollten wie wertvolles Kapital behandelt werden. Bleiben berichtsrelevante Informationen in herkömmlichen Dokumenten, Kalkulationstabellen, Präsentationsfolien und Ad-hoc-Berichten isoliert, so sind der Wert und Nutzen dieser Daten stark eingeschränkt.

Einer EY-Studie zufolge kommen in nahezu 75 % aller Unternehmen über sechs verschiedene Reporting-Systeme zum Einsatz, etwa ERP-, CRM- und HCM-Lösungen. Diese Daten werden jedoch aus ihrem Kontext gerissen und bergen das Risiko von Inkonsistenzen, wenn sie exportiert und damit von ihrer Quelle losgelöst werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Begleitunterlagen zu Compliance-Berichten oft je nach Abteilung, Konzerngesellschaft und IT-System separat verwaltet werden.

Aus diesen dezentralisierten Arbeitsweisen ergeben sich Mehrausgaben, Redundanz und im schlimmsten Fall multiple Wahrheiten, die aus den eingereichten Daten sprechen.

Vernetzen Sie Ihre Daten und sorgen Sie für verlässliche Berichte, indem Sie ein tragfähiges Gerüst für Ihre Daten-Governance schaffen

Um der Herausforderung unterschiedlicher Berichtsumgebungen zu begegnen, entwickeln weitsichtige Unternehmen Rahmengerüste für eine tragfähige Datenstrategie, die auf dem Konzept einer „Single Source of Truth“ fußen, wobei die aus dieser Quelle gewonnenen Informationen für eine Vielzahl an Anwendungen zur Verfügung stehen.

Diese Rahmengerüste und eine überlegene Datenaufbereitung eröffnen den Nutzern die Möglichkeit, Daten in großem Maßstab zusammenzuführen, zu ergänzen und zu erschließen – und anschließend eine einzige, vernetzte Datenquelle für alle Berichts- und Analysezwecke zu erstellen. Datenänderungen erfolgen direkt an der Quelle und können somit von Cloud-Plattformen automatisch in allen verknüpften Instanzen in Präsentationen, Berichten und Kalkulationstabellen aktualisiert werden.

Digital Strategy for Statutory Nonfinancial Reporting

Die heutigen regulatorischen Offenlegungspflichten haben das Compliance-Risiko für Unternehmen deutlich verschärft. Versäumen diese es, die Auswirkungen ihres Handelns auf ihre Aktionäre, Kunden, Mitarbeiter und Märkte zu reflektieren, so können Negativschlagzeilen und Imageverlust selbst dann die Folge sein, wenn formal kein Gesetz gebrochen wurde.

Die praktischen Aspekte des Datenmanagements im Hinblick auf Berichtspflichten mag weniger spannend sein als die Analyse von Umsatzzuwächsen in schicken Dashboards. Sie sind jedoch entscheidend, um Regulierungsvorgaben souverän erfüllen zu können. Eine Kultur des intelligenten Datenmanagements zu schaffen, sollte somit nicht nur den Verantwortlichen der Bereiche Finanzen, IT und Risikomanagement ein wichtiges Anliegen sein, sondern dem gesamten Vorstand bis hin zur Unternehmensspitze.

Organisationen sind dem wachsenden Druck ausgesetzt, kontinuierlich ihre Leistungen zu steigern, Mehrwert zu schaffen, mehr Transparenz zu bieten, ihrer Rechenschaftspflicht gegenüber verschiedensten Interessengruppen besser gerecht zu werden, die natürlichen Ressourcen zu schonen und soziale Verantwortung zu übernehmen. Um all dies leisten zu können, bedarf es neuer Methoden für die Erhebung und Verteilung dieser von Anlegern, Analysten und anderen verlangten erweiterten Datengruppen, wobei sich der Fokus zunehmend auf nichtfinanzielle ESG-Informationen verlagert. Und es braucht deutlich weiterentwickelter Konzepte, um diese neuen Arten der Offenlegung zu fördern und zu kultivieren.

Nehmen Sie Kontakt zu Workiva auf, um herauszufinden, wie wir Ihnen bei Ihrer Digitalstrategie in Bezug auf nichtfinanzielle Berichtspflichten behilflich sein können.

Liv Watson

Über den Autor

Liv Watson ist Senior Director of Strategic Customer Initiatives bei Workiva, mit einem Hauptschwerpunkt auf der Überwachung und Bewertung neuer Marktgelegenheiten weltweit. Sie half bei der Gründung von XBRL International mit und gehört zu den ursprünglichen Entwicklern für XBRL.