Was Sie über das ESMA-Mandat und die ESEF-Berichterstattung wissen müssen

6 April 2018

Die digitale Transformation ist überall und steht auch auf der Tagesordnung der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA). Das breitere Ziel der EU für eine einheitliche digitale Marktstrategie beinhaltet, von den Emittenten die Erstellung ihrer Jahresfinanzberichte in einem einheitlichen elektronischen Berichtsformat zu verlangen. Alle neuen Anforderungen von der ESMA wirken sich auf die Teams für regulatorische Compliance der Emittenten aus, und das Mandat für ein neues, standardisiertes und EU-einheitliches elektronisches Datenformat macht da keinen Unterschied.

Dadurch bietet sich für die Compliance-Teams die Chance zur Verbesserung ihrer Prozesse für die Unternehmensberichterstattung. Unten sind einige wichtige Fakten aufgeführt, die jeder Compliance Officer zu der bevorstehenden Regelung für das einheitliche elektronische Berichtsformat kennen sollte

Was ist das europaweit einheitliche elektronische Berichtsformat?

Beim EU-einheitlichen elektronischen Berichtsformat (ESEF) handelt es sich um eine neue Regelung, die Emittenten in von der EU regulierten Märkten zur Verwendung eines einheitlichen elektronischen Datenformats bei der Erstellung ihrer Jahresberichte verpflichtet. Mit der neuen Regelung werden EU-Emittenten verpflichtet, Jahresfinanzberichte zu erstellen, die maschinenlesbar und leichter analysierbar sind, wodurch die EU-Kapitalmärkte in das digitale Informationszeitalter gebracht werden.

Neue ESMA-Bestimmungen zur Regelung der EU-einheitlichen digitalen Marktstrategie

Die EU-Transparenzrichtlinie 2013 (TD) legt die Regeln für die ESMA und die Transparenzanforderungen an Emittenten fest. Die EU-Transparenzrichtlinie beauftragte die ESMA mit der Entwicklung technischer Regulierungsstandards (RTS) für das einheitliche digitale Berichtsformat. Am 18. Dezember 2017 veröffentlichte die ESMA den endgültigen Entwurf für die RTS und legte damit die Grundlage für die ESEF-Berichterstattung fest.

Ab 1. Januar 2020 sind alle EU-Emittenten (rund 5.300 EU-Unternehmen) verpflichtet, bei der Erstellung ihrer Finanzberichte das globale elektronische Open-Source-Datenformat XBRL für die Berichterstattung zu verwenden. Gemäß der Richtlinie muss jeder EU-Mitgliedstaat ein amtlich bestelltes System (Officially Appointed Mechanism, OAM) bereitstellen, das für die Speicherung und Verbreitung regulierter Daten zuständig ist. Daher können auf nationaler Ebene zusätzliche Anforderungen gelten.

Vorteile des einheitlichen elektronischen Berichtsformats

  • Alle Emittenten von der EU regulierten Märkten müssen ihre Jahresfinanzberichte im XHTML-Format erstellen, das mit Standard-Internetbrowsern geöffnet und wie vom Emittenten vorgesehen angezeigt werden kann. Infolgedessen werden die Berichte für die Allgemeinheit besser nutzbar sein.

  • Alle IFRS-Abschlüsse im Jahresfinanzbericht sind mit eXtensible Business Reporting (XBRL) Standard-Tags zu kennzeichnen, die die gekennzeichneten Offenlegungen strukturiert und maschinenlesbar machen.

  • Die XBRL-Tags werden unter Verwendung der Inline XBRL (iXBRL) Technologie in das XHTML-Dokument eingebettet. XBRL-Tags sind im XHTML-Dokument innerhalb eines einheitlichen Dokumentensatzes zusammengefasst, was den Duplizierungsaufwand vermindert.

  • Die ESEF-Berichterstattung unter Verwendung von XBRL erfordert die Existenz einer Taxonomie, bei der es sich um eine vorgegebene hierarchische Struktur zur Klassifizierung von Finanzinformationen handelt. Die konsolidierten primären IFRS-Jahresabschlüsse – wie die Erfolgsrechnung, die Bilanz usw. – werden detailiert aufbereitet, während der Anhang dieses Abschlusses Aufschläge enthält, die für ganze Abschnitte gelten (=Block-Tagging). Dies macht es sowohl für Maschinen als auch für Menschen leichter, den Bericht zu scannen und zu organisieren.

Wie ESEF und XBRL zusammenarbeiten

Das ESEF-Mandat wird eine neue Ebene zum herkömmlichen XBRL-Tagging hinzufügen. Doch zunächst ist zu klären: Was ist XBRL und wie funktioniert es? Was ist der Unterschied zwischen XBRL und Inline-XBRL? Hier erhalten Sie zunächst eine kurze Einführung zu den drei Hauptkomponenten von XBRL:

  1. XBRL-Spezifikation
    Die XBRL-Spezifikation liefert die grundlegende technische Definition, wie XBRL arbeitet. Die von XBRL International veröffentlichte XBRL-Spezifikationsdokumentation legt die technischen Leitlinien für XBRL fest und ist in erster Linie für Softwarefachleute bestimmt, die Tools erstellen möchten, die XBRL-Dokumente direkt erstellen oder verarbeiten.

  2. XBRL-Taxonomie
    XBRL-Taxonomien sind Wörterbücher mit Geschäftsbegriffen und ihren entsprechenden Tags – ein Beispiel ist die IFRS-Taxonomie. Der enorme Vorteil allgemein anerkannter Taxonomien, wie IFRS, besteht darin, dass sie eine systematische Benennung und Organisation von Finanzinformationen in Gruppen mit ähnlichen Merkmalen ermöglichen und dadurch die Nutzererfahrung bereichern und den Erstellungsprozess straffen.

    Die Idee dahinter ist simpel. Anstatt Informationen als einen Textblock zu behandeln, bietet die XBRL-Taxonomie für jede einzelne Position einen identifizierenden Tag. Diese Tags sind ungeachtet des Unternehmens, der Branche, des Landes oder der Rechnungslegungsvorschrift standardisiert. In XBRL berichtete Unternehmensinformationen können auf einfache Weise für die erneute Verwendung in anderen Berichten, analytischer Software und Datenbanken extrahiert werden, wobei sie ihren ursprünglichen sinnhaften Zusammenhang behalten.

  3. Inline-XBRL- oder iXBRL-Spezifikation
    Die Inline-XBRL- oder iXBRL-Spezifikation bietet einen Mechanismus für die Einbettung von XBRL-Tags in XHTML-Dokumenten. Dadurch können die Vorteile des Daten-Taggings von XBRL – wie die Konsistenz und Richtigkeit – mit einer leserfreundlichen Präsentation eines Berichts, die unter der Kontrolle des Erstellers steht, kombiniert werden.

Warum das ESEF-Mandat eine Chance ist, Ihren Geschäftsberichtsprozess zu verbessern

Mit der neuen ESEF-Verordnung erhalten zukunftsorientierte Emittenten eine Möglichkeit zur Bewertung ihrer aktuellen Berichtsprozesse. Ein Emittent kann das neue Mandat auf Wegen umsetzen, die seine Berichtsprozesse wesentlich verändern und dadurch die Qualität der Finanzberichterstattung verbessern. Besonders eine Cloud-basierte XBRL-Implementierungsstrategie wird die Verlässlichkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit der Berichterstattung steigern, was wiederum zu einer besseren Daten-Governance führt.

Alternativ könnte ein Emittent wählen, die neuen Anforderungen nur mit einem Mindestmaß an Störungen der betrieblichen Abläufe zu erfüllen, und könnte sich dazu entscheiden, die veralteten, manuellen Bemühungen beizubehalten und das Ziel der einheitlichen digitalen Marktstrategie untergraben. Dies würde jedoch noch immer die Erstellung des XBRL-Dokuments am Ende des bestehenden Prozesses erfordern. Ohne eine tatsächliche Umstellung des Prozesses für die Unternehmensberichterstattung könnte dies jedoch zu unnötigen Kosten und unnötiger Komplexität führen, sei es durch die Fremdvergabe des XBRL-Taggings oder durch die Hinzufügung redundanter Schritte.

Jahresberichte bleiben eine entscheidende Komponente für ein volles Verständnis der Finanzlage eines Unternehmens. Der Wechsel zu einer elektronischen Berichtsumgebung wird die Analyse, Vergleichbarkeit und Verfügbarkeit der Jahresabschlüsse der Emittenten für interne wie für externe Stakeholder erleichtern

Compliance-Teams sollten die Übernahme des neuen ESEF-Standards als eine Chance für einen Sprung nach vorne bei der Digitalisierung des Geschäftsberichtsprozesses begrüßen, anstatt die neue ESMA-Verordnung als eine Belastung für die Berichterstattung aufzufassen.