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Das ISSB: Ein Wendepunkt in der ESG-Berichterstattung

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Policy Perspectives
Eilmeldung: Reaktionen auf die Ankündigung des ISSB
6 min Lesezeit
AUTHOR:

Andromeda Wood

Vice President of Regulatory Strategy
Veröffentlicht am 6. November 2021
Last Updated: 31 May 2022

Update May 2022

The International Sustainability Standards Board (ISSB) has launched a consultation on its first two proposed standards:

The proposals build upon the recommendations of the Task Force on Climate-Related Financial Disclosures (TCFD) and incorporate industry-based disclosure requirements  from the Sustainability Accounting Standards Board (SASB) standards. The ISSB is seeking feedback until the end of July 2022 and aims to review the feedback and issue new standards by the end of the year.

Additionally, the ISSB has requested comments to aid with the development of the International Financial Reporting Standards’ (IFRS) Sustainability Reporting Taxonomy. Its aim is to consider the “digital consumption of sustainability disclosures from the outset.” Responses to the request for feedback are due by 30 September 2022.

Original article

The announcement of the International Sustainability Standards Board (ISSB) at COP26 in November 2021 didn’t just create ripples: for those involved or interested in environmental, social and governance (ESG) reporting, the news was a tidal wave. The impact that ISSB will have, and the shift that it represents, cannot be understated. This announcement is big, but in such ESG-driven times, maybe we shouldn’t be too surprised. 

Die Entwicklung von weltweit anerkannten Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist an sich schon eine große Neuigkeit — auch wenn wir damit gerechnet hatten. Weniger deutlich waren die Pläne vor der COP26-Konferenz, die Value Reporting Foundation (eine kürzlich aus der Fusion von SASB und dem International Integrated Reporting Council gegründete Organisation) und das Climate Disclosure Standards Board (CDSB) zum ISSB zu bündeln. Schon seit Jahren bestehen Forderungen nach einer Konsolidierung der vielfältigen Landschaft im Bereich der ESG-Standards. Dass diese Konsolidierung jetzt tatsächlich vollzogen wird, ist wirklich bemerkenswert und eine hervorragende Nachricht für Unternehmen, Anleger und die Gesellschaft als Ganzes. 

Für all die Komplexität, die im Bereich der ESG-Berichterstattung besteht, wird das ISSB kein Allheilmittel sein. Das Ausmaß der Aufgabe wird in Zukunft genauso groß sein wie bisher. Doch das ISSB wird einheitliche Standards für Organisationen auf der ganzen Welt schaffen. Dadurch wird die Zuordnung zu den verschiedenen Rahmenwerken deutlich reduziert, und die damit verbundenen mühsamen Faktoren des Berichterstattungsprozesses werden vereinfacht. Die von der International Finance Reporting Standards (IFRS) Stiftung geschaffene Technical Readiness Working Group (TRWG) hat den ersten Prototyp der Offenlegungsanforderungen und den Zeitplan für die Arbeiten vorgestellt. Sechs weitere Ergebnisse aus dieser Gruppe sind bereits für die Übergabe an das ISSB geplant. Daher sind in den kommenden Monaten weitere Details zu erwarten. 

Knowing that the ISSB won’t start from scratch is more welcome relief for businesses. Along with the substantial body of work brought in via the consolidation, SASB standards, Integrated Reporting Framework and the CDSB Framework, they will build on the work conducted by other leaders in the sustainability regulation field, such as the standards developed by the TCFD. The TCFD forms part of the TRWG, and its recommendations formed the foundations of the TRWG’s initial climate prototype. 

Die auffällige Abwesenheit der Global Reporting Initiative (GRI) in dieser Gruppe ist kein Grund zur Beunruhigung. So hat die GRI im Anschluss an die Gründung des ISSSB folgende Erklärung veröffentlicht: "Die GRI ist bereit, sich zusammen mit der IFRS-Stiftung für dieses Ziel einzusetzen. Wir freuen uns darauf, mehr über die Aufgaben und den Umfang ihrer neuen Unternehmungen zu erfahren und an der Entwicklung des vorgeschlagenen Klimastandards mitzuwirken." Wir stehen am Anfang einer spannenden und unglaublich nützlichen Reise. Im Laufe der Zeit werden wir mehr über die Pläne erfahren. 

Nach und nach werden wir uns auch ein genaues Bild davon verschaffen, in welchen Ländern der Standard übernommen wird. In einer von der britischen Regierung veröffentlichten Erklärung werden 38 Länder auf sechs Kontinenten genannt, die ein Schreiben unterzeichnet haben, mit dem sie die Ankündigung begrüßen, darunter Brasilien, China, die Europäische Kommission und die Vereinigten Staaten. 

Letztendlich führt all diese Zusammenarbeit und Konsolidierung dazu, dass Unternehmen nicht mehr im Dunkeln durch ein Labyrinth bestehender Messrahmen, Vorgaben, Protokolle, Rankings, Indizes und Standards navigieren müssen. Sie können den vor ihnen liegenden Weg klar erkennen und haben die Gewissheit, dass sie über ihre derzeitige Situation hinaus gehen können.   

Aktuell ist das schiere Volumen freiwilliger Anleitungen rund um ESG-Offenlegungen überwältigend, komplex und verwirrend. Trotz bestmöglicher Absichten wird die ESG-Berichterstattung für Unternehmen, Anleger und Stakeholder gleichermaßen aufgrund der momentan verfügbaren Vorgaben eher undurchsichtig. Eine einzige Reihe weltweiter Standards kann hier für die nötige Klarheit sorgen. Sicherlich wird diese Aufgabe nicht leicht sein. Doch mithilfe von Finanzteams, die im Berichtsprozess einen entscheidenden Beitrag leisten, wird es möglich sein, transparente ESG-Berichte zu liefern, denen die Anleger vertrauen. 

Die Kapitalmärkte können eine entscheidende Rolle dabei spielen, das Ziel der Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Voraussetzung dafür ist aber, dass bei der Erstellung von Nachhaltigkeitsinformationen die gleiche Konsequenz, Qualitätssicherung und globale Vergleichbarkeit wie bei Finanzinformationen zum Tragen kommen.
Erkki liikanen
Vorsitzender der Stiftung International Financial Reporting Standards (IFRS) anlässlich der Ankündigung des ISSB auf der COP26-Konferenz 

Transparenz darf nicht schwer zu erreichen sein. Anleger brauchen Zugang zu Informationen, mit denen sie die Nachhaltigkeitsleistung von verschiedenen Unternehmen miteinander vergleichen können. Sie müssen eindeutig verstehen, wie die Leistung eines Unternehmens mit seiner Wertschöpfung zusammenhängt. Ohne dieses Wissen ist es fast unmöglich, fundierte Geschäfts- und Investitionsentscheidungen zu treffen, die mit den weltweit akzeptierten Klimazielen in Einklang stehen. 

Eine einheitliche Reihe von Standards ist jedoch nicht der einzige Schlüssel zu Vertrauen. Für Finanzinformationen gelten in der Regel auch strengere Kontroll- und Sicherungsanforderungen sowie klare Freigabe- und Zuständigkeitslinien. Regionale Gesetze und Vorschriften werden hier ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. 

Das ISSB ist keine umfassende Neuerfindung im gesamten ESG-Berichtsprozess. Das ISSB wird auch nicht die Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) und die damit verbundenen EU-Standards ersetzen, auf die sich Unternehmen europaweit vorbereiten, sondern sie ergänzen. Die Europäische Kommission hat erklärt, dass „die vorgeschlagenen EU-Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung auf den weltweiten Standardisierungsinitiativen aufbauen und dazu beitragen.“ Auch wenn sich mit dem ISSB die enorme Menge an Daten und Datenerhebungen, die für die Erstellung eines ESG-Berichts erforderlich sind, kaum verringern dürfte, so wird der ohnehin schon komplexe Prozess dadurch zumindest nicht weiter erschwert. 

Die vom ISSB versprochene Einfachheit und die damit verbundene Sicherheit werden Anreize für Unternehmen schaffen, ESG-Berichte zu erstellen, die den Erwartungen der Anleger entsprechen. Tatsächlich wird es einige Zeit dauern wird, bis die Unternehmen ihre Prozesse zur ESG-Berichterstattung durchgängig umgestellt haben. Im Vorgriff auf die verpflichtende Anwendung der CSRD arbeiten viele von ihnen bereits an der Umsetzung. Ihr Hauptaugenmerk wird nun darauf liegen, dass die Umstellungen einfach und reibungslos verlaufen. Dazu müssen sie ihre aktuelle Organisation neu bewerten und nicht allzu sehr auf den Einsatz der bestehenden, fest einprogrammierten Lösungen beharren. 

Im Forbes-Magazin wurde die Gründung des ISSB als „größte Veränderung in der Konzernberichterstattung seit den 1930er Jahren“ bezeichnet. Und damit sollen nicht bloß zusätzliche Klicks generiert werden. Es ist nämlich nicht übertrieben. Sondern einfach nur die Wahrheit. Unternehmen und insbesondere ihre Berichtsteams werden diese Ankündigung zu Recht feiern. Denn sie hatten mit erheblichen Schwierigkeiten zu tun. 

Die IFRS haben dafür gesorgt, dass das ISSB wirklich etwas bewirkt: Es handelt sich nämlich um das Standardisierungsgremium, mit dem diese Schwierigkeiten endlich überwunden wurden. Natürlich ist den Unternehmen bewusst, dass eine Menge Arbeit vor ihnen liegt. Langfristig bedeuten die Signale von der COP26-Konferenz aber, dass ein Wandel bevorsteht, dass globale Standards kommen und dass die ESG-Berichtsstandards konsolidiert und weltweit vereinheitlicht werden – und damit sind sie ein guter Grund für ein Gefühl der Erleichterung. 

Über den Autor
Bild Andie Wood
Andromeda Wood

Vice President of Regulatory Strategy

Andromeda “Andie” Wood is vice president for regulatory strategy for Workiva and will be bringing her knowledge of the technology and regulation landscape in Europe to help inform the EMEA strategy and support the region's growth. She is an expert in data modeling, taxonomy design, and the role of technology in corporate reporting.

Andie ist erfahren in der Datenmodellierung und der semantischen Modellierung und trägt auch auf internationaler Ebene zum XBRL-Standard bei. Sie bringt eine Fülle von Kenntnissen und ein grundlegendes Verständnis für die Auswirkungen der EU-Transparenzrichtlinie und der Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) auf globale Unternehmen mit. Andie ist außerdem Mitglied des XBRL International Inc. Best Practices Board und ist Mitvorsitzende der XBRL Entity-Specific Disclosure Task Force.

Zuvor war sie Senior Technical Manager der IFRS Foundation, die bei der Entwicklung der IFRS-Taxonomie und -Standards mitwirkte. Sie war als technische Expertin bei Ernst & Young, einem globalen Wirtschafts- und Beratungsunternehmen, tätig.

Andie ist eine gefragte Rednerin, wenn es um Technologietrends für die Konzernberichterstattung geht, und veröffentlicht verschiedene Artikel zu XBRL, ESG, ESEF sowie zur digitalen Transformation der Unternehmensberichterstattung. Außerdem hat sie eine Kolumne für Accountancy Today über die Auswirkungen von Technologie und COVID geschrieben. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Biowissenschaften am St Catherine's College der Oxford University.

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